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Austernfischer

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Die SDN hat eine Reihe von Büchern zu verschiedenen Themen herausgegeben. Hier finden Sie zu jedem Buch eine kurze Beschreibung. Unten auf dieser Seite befindet sich ein Bestellformular.

Antifouling im Meer

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Der Begriff Antifouling ist in der Öffentlichkeit weitgehend unbekannt. Nur wenige Wissenschaftler beschäftigen sich mit den möglichen ökologischen Folgen von giftigen Schiffsanstrichen. Nichtsdestoweniger geht von diesen Anstrichen eine große Bedrohung aus. Das liegt an der extremen Giftigkeit des am häufigsten verwendeten Wirkstoffes Tributylzinn (TBT), dessen Wirksamkeit nur vergleichbar ist mit der des Dioxins. Solche Anstriche verhindern Schiffsaufwuchs und steigern damit die Wirtschaftlichkeit des Schiffsbetriebes. Sie müssen ins Wasser abgegeben werden, um ihre Wirksamkeit zu entfalten, und beeinflussen daher nicht nur auf den Schiffen festsitzende Organismen, sondern auch freilebende.

Bei Austern von französischen Austernzuchtplätzen wurde verdicktes Schalenwachstum festgestellt, und es erforderte detektivische Präzisionsarbeit, um auf die Spur des TBTs zu kommen. Heute ist dieser Anstrich für kleinere Schiffe verboten, wird jedoch nach wie vor in großen Mengen von der Großschifffahrt aufgetragen. Auch in weiten Bereichen der Nordseeküsten sind inzwischen Effekte festgestellt worden, die auf die Wirkung von Tributylzinn zurückzuführen sind.

Die Schutzgemeinschaft Deutsche Nordseeküste wollte mit ihrem Kolloquium das Thema in der Öffentlichkeit darstellen und Vertretern der Farbenindustrie, der Schifffahrt und der Wissenschaft Gelegenheit geben, ihre Standpunkt in sachlicher Atmosphäre zu erörtern. Das Fazit der sehr konstruktiven Veranstaltung lautet: Schiffsanstriche sind nötig, sie erhöhen die Wirtschaftlichkeit des Betriebes von Großschiffen. Tributylzinn als Wirkstoff ist außerordentlich effizient, aufgrund der ökologischen Effekte ist der Einsatz aber nicht wünschenswert. Es gibt natürliche Strategien zur Verhinderung von Aufwuchs. Bei der Entwicklung künftiger Antifoulingkomponenten sollten diese stärker berücksichtigt werden.

Der Gesetzgeber ist aufgefordert, möglichst umgehend für ein weitreichendes Verbot von TBT-Komponenten in Antifoulinganstrichen zu sorgen. Hierzu ist erforderlich, dass die Forschung zur Vorbereitung der Verwendung von natürlichen Aufwuchsverhinderungsstrategien intensiviert wird. Das ist nur mit öffentlichen Mitteln möglich.

APRON-PLUS

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Kurzfassung

Zum Zeitpunkt de Erscheinens dieser Veröffentlichung sind die Ereignisse um die Apron plus-Giftbeutel nichts anderes als ein weiteres Kapitel in der langen Geschichte der vielfältigen Belastung und Beeinträchtigung der Nordsee und des Küstenbereiches durch menschliche Aktivitäten.

Rückblickend verlieren die Ereignisse infolge der über Bord gegangenen Container wie immer auch ihren Schrecken. Auf dem Höhepunkt der Geschehnisse allerdings gab es vielfältige Befürchtungen. Drei Wochen lang beschäftigten sich alle einschlägigen Institute mit der Problematik. Daten über die Toxizität und Persistenz der über Bord gegangenen Substanzen wurden gesammelt, und es wurden vorläufige Bewertungen der möglichen Auswirkungen vorgenommen.

Schon früh stand fest, dass es durch die Giftwirkung von Apron plus nur lokal und dann nur eng begrenzt zu schädigenden Auswirkungen für das Ökosystem kommen würde. Sehr viel dramatischer wurde die Auswirkung auf den Tourismus bewertet. Die erneute Negativreklame für die Region, die in hohem Maße auf einen florierenden Tourismus angewiesen ist, gab zu ernsten Befürchtungen Anlass. Der Nachweis wird allerdings nie zu führen sein, ob tatsächlich Giftbeutelfunde an unseren Stränden zu einem Rückgang von Buchungen an den Küsten geführt haben. Wie immer nach solchen Ereignissen wurden Forderungen an die Politik laut und Politiker schlossen sich diesen an. Leider können wir nach Abklingen der akuten Phase des Skandals auch hier beobachten, dass sich das Interesse, nicht nur der Politiker, sehr schnell anderen Themen zuwendet.

Umweltschutzverbände nahmen den Apron plus-Skandal zum Anlass, erneut auf allgemeine Missstände im Seeverkehr hinzuweisen. Die Häufung von Schiffsunfällen und Containerverlusten in unseren Küstenregionen ist nach wie vor besorgniserregend und die entscheidenden Schritte zur Erhöhung der Schiffssicherheit sind immer noch nicht eingeleitet worden.

Die Schutzgemeinschaft Deutsche Nordseeküste e.V. unterstützt mit Nachdruck die in den einzelnen Beiträgen enthaltenen Forderungen zur Erhöhung der Schiffssicherheit, zur Reduzierung der Produktpalette, nicht nur von Pestiziden, sondern von umweltgefährdenden Chemikalien und zur Reduzierung der Seetransporte durch Verlagerung der Produktionsorte an die Orte des Verbrauchs.

Einflüsse des Menschen auf Küstenvögel

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Kurzfassung

Es gibt nur wenige Menschen, die keine emotionale Bindung an Küstenvögel haben. Wenigen ist allerdings klar, wie empfindlich viele dieser Vögel gegen jede Art der Beeinträchtigung durch den Menschen sind. Die Tatsache, dass Küstenvögel häufig in ungeheuren Zahlen zu sehen sind, täuscht darüber hinweg, dass einige Bestände trotz derzeit großer Bevölkerungszahlen stark gefährdet sind. Und nicht immer sind angewachsene Zahlen ein Ausdruck für ökologische Stabilität.

Nirgendwo werden Konflikte zwischen den Interessen der Menschen und dem Wohlergehen in der Natur so deutlich sichtbar oder messbar wie bei Küstenvögeln. Die immer intensivere Nutzung unserer Küstenlandschaft bringt eine zunehmende Verkleinerung ungestörter Lebensräume mit sich. Und das in einer Region, auf die viele der Küstenvogelarten in ganz besonderer Weise angewiesen sind, sei es als Fress-, Brut- oder Rastplatz. Als Endverbraucher in der Nahrungskette sind Küstenvögel in besonderer Weise den Gefahren durch die Anreicherung von Schadstoffen ausgesetzt.

Das hat in der Vergangenheit zu Brutverlusten in belasteten Populationen geführt. Die Hypertrophierung unserer Küstengewässer hat die Lebensbedingungen einiger Arten nachhaltig verändert. Insbesondere die hohen Rückwürfe von nicht verwendeten Fischen durch die Fischerei hat zu enormen Bevölkerungszuwächsen bei Küstenvögeln geführt. Dadurch wurde bei einigen Arten ein Populationsniveau erreicht, wie es ohne die Rückwürfe nicht möglich gewesen wäre.

Es ist zu fordern, dass entweder Rückwürfe durch die Fischerei, oder besser die Beifänge der Fischerei, drastisch reduziert werden. Zu den überflüssigen Beeinträchtigungen zählen unter anderem die Jagd im Wattenmeer, die ist aus heutiger Sicht nicht mehr zeitgemäß. Und völlig überflüssig sind militärische Schießplätze am Wattenmeer. Es ist nicht verständlich, warum an dieser Praxis immer noch festgehalten wird.

Die Entsorgung von Kaliindustrieabwässern in die Nordsee

Buchtitel Kali

In Hessen und Thüringen fördert die Kali + Salz AG Kali im Untertagebergbau. Dabei fallen gewaltige Mengen von Salzlauge an. Ein großer Teil wird in die Werra eingeleitet. Dies jedoch widerspricht der EU-Wasserrahmenrichtlinie, die einen guten ökologischen Zustand aller Gewässer fordert. Die Industrie-Abfälle müssen also künftig anderweitig entsorgt werden.
Auf der Suche nach einem Ausweg schlugen Anlieger von Werra und Weser vor, die Salzlauge per Pipeline direkt in die Nordsee zu leiten. Die Rede ist von bis zu zehn Millionen Kubikmetern jährlich! Jedem Mitglied der Schutzgemeinschaft Deutsche Nordseeküste e. V. stellen sich bei dieser Vorstellung die Nackenhaare auf. Um uns mit wissenschaftlich abgesicherten Argumenten in die Diskussion einbringen zu können, haben wir die Studie »Die Entsorgung von Kaliindustrieabwässern in die Nordsee« in Auftrag gegeben und im Sommer 2015 innerhalb unserer Schriftenreihe veröffentlicht.
Zurzeit werden mehrere Modelle des Umgangs mit den Abfallprodukten der Kali-Industrie berechnet und abgewogen. Es gibt also durchaus Alternativen zur Pipeline. Auf welches Vorgehen die Kali + Salz AG und die involvierten Landesregierungen sich am Ende einigen werden, ist heute noch nicht absehbar. Aus Sicht der Nordsee-Anrainer in Niedersachsen, Hamburg und Schleswig-Holstein sollten die Zeiten, in denen Industrie-Abfälle in der Nordsee verklappt werden, jedoch vorbei sein.

Eutrophierung und Landwirtschaft

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Kurzfassung

Die Wirkung eines langfristig erhöhten Eintrages von Stickstoffverbindungen in Gewässer ist hinreichend bekannt. Er führt zur Überdüngung mit negativen Begleiterscheinungen in weiten Bereichen der Nordsee. Periodisch wiederkehrender Sauerstoffmangel und Algenmassenblüten, auch mit giftigen Algen, sind zwar Phänomene, die in der Vergangenheit schon beschrieben wurden, treten aber in jüngster Zeit immer häufiger auf. Erhöhter Stickstoffeintrag führt zur Bodenversauerung, erhöht den Gehalt von Nitrat im Grundwasser, resultiert in flächendeckender Düngung nicht nur von Gewässern, führt zur Zerstörung von Kulturerbe, hat Einfluss auf das Klima usw.Während NOx fast ausschließlich durch den Straßenverkehr und hier im wesentlichen durch den gewerblichen Verkehr (Lkw) eingetragen wird, stammt NH3 fast ausschließlich aus der Landwirtschaft. 300 000 Tonnen NH3-N/a werden in den alten Bundesländern in die Atmosphäre eingeleitet, und es gilt die Faustregel, dass alles, was in die Atmosphäre gelangt, auch wieder herunterkommt.

Das wissen nicht nur die Landwirte, sondern auch die für die Landwirtschaft Verantwortlichen, und es sind intensive Überlegungen im Gange, wie diese Emissionen reduziert werden können. Eine der wesentlichen Forderungen, die auch von der sogenannten alternativen Landwirtschaft erhoben wurden, ist die flächendeckende Extensivierung bestimmter Landwirtschaftszweige. Insbesondere steht im Blickpunkt der Kritik die agrargewerbliche Produktion, die losgelöst von der Fläche arbeitet. Diese Nahrungsmittelproduktion sollte zurückgeführt auf die Größe der Fläche, d.h. es sollte nur soviel Vieh pro Fläche zur Verfügung stehenden Bodens produziert werden. Es sollten Steuern auf ertragssteigernde Chemie erhoben werden, insbesondere sollte der Einsatz von Wachstumsregulatoren zurückgeführt werden.

Das Instrument der Flächenstillegung sollte besser als bisher eingesetzt werden. Die zur Zeit in der Diskussion befindlichen Instrumente zur Reduzierung der Anwendung von Stickstoff, wie Stickstoffquote oder Stickstoffbesteuerung, finden leider nicht den nötigen Rückhalt. Ähnlich schwierig gestaltet sich die endgütige Formulierung einer Düngemittelanwendungsverordnung nach dem Düngemittelgesetz.

Fahrwasservertiefungen

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Kurzfassung

Die Diskussion über die Unausweichlichkeit von Ausbaggerungen von Flüssen für Schiffe mit immer größerem Tiefgang sind alt. Stets geht es um noch einen Meter und immer sind die wirtschaftlichen Zwänge überwältigend. Entweder wegen der Erhaltung der Wettbewerbsfähigkeit einer Werft und den damit verbundenen Arbeitsplätzen, oder es hängt das Wohl einer gesamten Wirtschaftsregion von kontinuierlichen Vertiefungen der seewärtigen Zufahrt ab.

Diesen scheinbaren Notwendigkeiten konnte sich in der Vergangenheit niemand entziehen. Einschränkungen der Interessen anderer Nutzergruppen wurden zum Wohle des Übergeordneten in Kauf genommen. Immer fanden sich Gutachter, die feststellen, dass es entweder keine Schäden geben würde oder diese so gering ausfallen würden, dass sie tolerierbar seien. Immer gab es aber auch Warner, die auf negative Wirkungen aufmerksam machten. So auch in der gegenwärtigen neuen Runde, in der die Tiefe von Elbe, Weser und Ems neuen Erfordernissen angepasst werden sollen. Warum ist das Ergebnis der Erörterungen vor den Baggerungen so eindeutig voraussagbar? Denn gebaggert wird, das ist zu keinem Zeitpunkt fraglich.

Die möglichen Antworten:
Es gelingt den biologischen und hydrologischen Gutachtern nicht, eindeutige Nachweise dafür zu bringen, dass die Ausbaggerungen schwerwiegende Schäden am Ökosystem des jeweiligen Flusses nach sich ziehen. Wen interessieren höhe Fließgeschwindigkeiten oder sich verändernde Salzgehalte?

Ist nicht Fauna und Flora in Elbe und Weser ohnehin so nachhaltig reduziert, dass die Baggerei kaum zusätzlich schädigt?
Und wen kümmert das Schicksal der Fischer? Können wir es uns leisten, diese Randgruppe – das sind sie ja inzwischen geworden – noch weiter zurückzudrängen?

Dass das geschehen würde, kann von niemandem ernsthaft bestritten werden. Die primären und sekundären Auswirkungen der Baggerei machten diese Berufsgruppe zwangsläufig zu Verlierern. Eine florierende Fischerei in unseren Flüssen ist aber Ausdruck der Funktionsfähigkeit des Ökosystems, dessen Teil der Mensch ist. Die zunehmenden Erosionserscheinungen vor unseren Küsten könnten ebenfalls Resultat nachhaltig veränderter Gleichgewichte sein. Wer ist heute schon in der Lage, das definitiv zu verneinen? Es ist daher an der Zeit, sich den scheinbaren Zwängen von Reedereien zu widersetzen und vorhandene Konzepte umzusetzen.

Im vorliegenden Band werden Manuskripte einer Vortragsveranstaltung der Schutzgemeinschaft Deutsche Nordseeküste abgedruckt. Alle Interessengruppen kommen zu Wort. Der Leser wird in die Lage versetzt, sich selbst ein Bild zu machen, wie mit Flussvertiefungen umzugehen ist.

Die SDN fordert an dieser Stelle mit Nachdruck, künftig Baggerungen auf das Maß zu beschränken, das zur Erhaltung der jetzigen Tiefen erforderlich ist. Es ist eine Angelegenheit internationaler Politik, die Instrumente zu schaffen, die zunächst entstehenden Wettbewerbsnachteile in Vorteile umwandeln. Tiefgangbezogene Abgaben können nur dann ein wirksames Instrument werden, wenn auch die Konkurrenten deutscher Seehäfen gezwungen werden, sie anzuwenden.

Lernen wir doch endlich zu verstehen, dass der Prozess der scheibchenweise Hergabe von Umwelt zu Gunsten der Ökonomie eines Tages im totalen Verlust enden muss. Es kennzeichnet eine einseitig verengte Sichtweise, wenn Containerschiffe, für deren Betrieb kontinuierlich größere Tiefen für ihre Zufahrten benötigt werden, als das umweltfreundlichste Verkehrsmittel bezeichnet werden.

Fehlentwicklungen in der Fischerei

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Kurzfassung

Es gibt keine Fehlentwicklungen in der Fischerei, erklärten Vertreter von Fischereibehörden anläßlich des Kolloquiums in Büsum. Es gibt allerdings Probleme in der Fischerei, die nicht von den Fischern zu verantworten sind. Fischereiforscher berichteten über katastrophale Fänge nicht nur in der Nordsee. Wenig später wird auf Lichtblicke bei der Nachwuchssituation einiger wichtiger Fischarten in der Nordsee hingewiesen.

Man hofft auf bessere Jahrgänge, angesichts der Realität folgt diesen Hoffnungschimmern immer tiefe Depressionen. Man fragt sich, ob und warum die Bestandsveränderungen nicht langfristig prognostiziert werden können. Die Fischerei in der Nordsee steckt eindeutig in einer tiefen Krise. Durch die starke Beanspruchung sind derzeit eine Reihe von wichtigen Beständen gefährdet, zum Beispiel Hering, Makrele, Kabeljau und Scholle.

Aber es kommt auch zu Schädigungen an Nichtzielarten und zur Bevorzugung opportunistischer Tierarten, zum Beispiel etliche Seevogelarten, Robben, andere aquatische Räuber, bestimmte Krebse, Seesterne, die den die Discards und über Bord gehende Schlachtabfälle als Nahrungquelle nutzen. Die Fischerei beeinflußt die Bodentiergemeinschaften durch permanentes Umpflügen des Meeresboden. Langfristige Wirkungen sind allerdings nur schwer nachzuweisen oder werden bestritten. Von einer nachthaltigen Nutzung der Ressourcen der Nordsee sind wir heute sehr weit entfernt.

Es entsteht der Eindruck, als seien wir dabei, den Ast, auf dem wir sitzen wollen, so schnell wie möglich abzusegen Ziel der Veranstaltung, zu der die Schutzgemeinschaft Deutsche Nordseeküste am 6. November 1995 nach Büsum eingeladen hatte, war, eine Analyse des gegenwärtigen Zustand vorzunehmen. Weiter sollten die Empfehlungen für eine nachhaltige Fischerei bekannt gemacht werden, die man derzeit in den verschiedensten Gremien in der Bundesrepublik Deutschland und in der Europäischen Gemeinschaft diskutiert.

Geht es der Nordsee besser?

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Kurzfassung

Über den schlechten Gesundheitszustand weiter Teile der Nordsee ist in der Vergangenheit genauso intensiv diskutiert worden wie über die Notwendigkeit, die vielfältigen Belastungen zu reduzieren. Erste Schritte wurden vor 10 Jahren eingeleitet, so dass es zeitgemäß war, eine Bilanz zu ziehen. Zehn Referenten aus den meereskundlichen Instituten war anlässlich einer Vortragsveranstaltung am 22. Oktober 1992 im Hotel „Reichshof“ in Hamburg die Frage gestellt worden, ob Veränderungen der Belastung oder des Zustandes von Meerestieren oder -pflanzen feststellbar sind.

Es sollte geprüft werden, ob die bisher eingeleiteten Maßnahmen zum Schutz der Nordsee schon soweit fortgeschritten sind, dass sie zu Veränderungen in diesem gefährdeten Meeresgebiet führten. In bestimmten Arealen ist es zu Rückgängen der Konzentrationen, insbesondere von Quecksilber und bestimmten Organochlorverbindungen, gekommen. Auch die Belastung mit Schwermetallen, beispielsweise im ehemaligen Verklappungsgebiet für Abfälle aus der Titandioxidproduktion, ist geringer geworden.

Der Zustand von Bodentieren in Küstennähe und auf der Doggerbank ist nach wie vor schlecht. Es hat in den vergangenen Jahren eine Verringerung der Artenzahlen und eine Zunahme der Biomasse gegeben. Im Wattenmeer fällt die Zunahme sauerstofffreier schwarzer Flecken insbesondere in Niedersachsen, aber auch in Schleswig-Holstein auf. Zu sehr negativen Auswirkungen führt das Massenwachstum von Grünalgen, wohingegen empfindliche Seegräser aus dem niederländischen Wattenmeer verschwunden und vor der niedersächsischen Küste erheblich zurückgegangen sind und nur im nördlichen Teil des schleswig-holsteinischen Wattenmeeres eine normale Seegrasbesiedlung angetroffen werden kann. Das Wattenmeer in seiner Gesamtheit wurde nach wie vor als bedroht eingestuft. Bei den Untersuchungen über die Belastung von Fischen mit Schadstoffen fielen besonders hohe Arsengehalte in Fischen der Nordsee auf. Es soll allerdings keine Gefahr bestehen, da dieses Arsen in Fischen in einer völlig unlöslichen Form vorliegt. Rückgänge von Schadstoffen im verzehrbaren Teil von Nordseefischen sind noch nicht klar belegt, aber für Elbfische und Fische aus dem Rhein deutlich zu erkennen.

Die Fortpflanzungsfähigkeit von Fischen in weiten Arealen der Nordsee ist nach wie stark beeinträchtigt. Die Häufigkeit von Fischkrankheiten in der Deutschen Bucht und der zentralen südlichen Nordsee ist möglicherweise nur vorübergehend leicht rückläufig. Unmittelbar vor der britischen Küste jedoch sind starke Zunahmen der Häufigkeit des Befalls der Kliesche mit äußerlich erkennbaren Erkrankungen registriert worden. Der größte Einfluss auf Fischbestände geht von der Fischerei selbst aus. Demgegenüber wird ein möglicher Einfluss von Schadstoffen als geringer angesehen.

Nichtsdestoweniger wird insgesamt das Gefährdungspotential auch durch heute noch nicht identifizierte Schadstoffe als hoch eingeschätzt. Keine Entwarnung also für die Nordsee – so lautete das Fazit. Im Gegenteil, es wurde gefordert, dass die Meeresverschmutzungsforschung intensiviert werden muss und die Kenntnisse um ihre Wirkung auszuweiten.

Die bisher in Überwachungsprogrammen gemessenen Schadstoffe stellen nur einen Bruchteil des Schadstoffinventars in der Nordsee dar. Neue Messmethoden müssen her, mit denen die Meeresforscher in die Lage versetzt werden, die unbekannten Substanzen, von denen es weit mehr als 1000 gibt, messen zu können. Langfristige Messungen des Zustandes von Teilen des Ökosystems in der Nordsee müssen sichergestellt sein. Die wichtigste Forderung der Veranstaltung allerdings richtet sich an Politik und Industrie. Schadstoffe müssen am Ort ihres Entstehens, also während der industriellen Produktion, vermieden werden. Saubere Produktionen ohne giftige Zwischen- und Abfallprodukte ist eine Forderung an die Industrie der Zukunft. Die Schutzgemeinschaft Deutsche Nordseeküste e.V. unterstützt alle Initiativen, die dazu dienen, dieses Ziel möglichst schnell zu erreichen.

Klimaänderung und Küste

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Kurzfassung

Die langfristigen Veränderungen des Klimas sind in aller Münde. Jeder weiß, dass sich das Klima insbesondere durch den Eintrag verschiedenster Substanzen in die Atmosphäre langfristig verändern wird, aber keiner weiß genau wie. Die Bevölkerung glaubt schon heute, nach milden Wintern und steigenden Sommertemperaturen die Veränderungen des Klimas spüren zu können. Jedoch versichern Fachleute immer wieder, dass die Sache so einfach nicht ist. Über die möglichen Konsequenzen von Klimaveränderungen für unsere Küstenlandschaft hat man sich in der Öffentlichkeit bisher allerdings wenige Gedanken gemacht. Dabei sind, folgt man den von Wissenschaftlern entworfenen Szenarien, schwerwiegende Veränderungen zu erwarten.

Zu ihnen gehören nicht nur eine Erhöhung der Wasserstände, sondern auch eine Intensivierung der Winde mit periodisch hohen Windstärken. Dies wiederum hat Konsequenzen für die Morphologie der Küste. Hieraus ergeben sich Fragen wie: Wie lange werden unsere Deiche sicher sein? Welche Maßnahmen müssen ergriffen werden, um auch langfristig die Deichsicherheit garantieren zu können? Muss man möglicherweise unkonventionelle Wege gehen, um den Schutz der Küstenlandschaft zu verstärken? Veränderungen der Temperaturen im Küstenmeer werden einen tiefgreifenden Einfluss auf das gesamte ökologische Gefüge haben.

Heute reicht die Phantasie kaum aus, sich vorzustellen, was alles passieren wird. Man erwartet, dass temperaturempfindliche Arten, die in der Nordsee ihre südliche Verbreitungsgrenze haben, weiter nach Norden gedrängt und dass wärmeliebende Arten weiter nach Norden vordringen werden. Schon heute kann man in den Fängen Fische aus südlicheren Gefilden erkennen. Sämtliche biologischen Vorgänge werden intensiviert, d.h. es wird auch die Wirkung von Schadstoffen in einer nicht vorhersagbaren Weise verstärkt.
Die Besiedlung der Küstenmeere und der Küstenvorländer wird sich grundlegend verändern. Das gilt nicht nur für Pflanzen, sondern auch für Tiere. Nicht alle diese Erscheinungen sind unbedingt negativ zu bewerten. Ein durch neue Bedingungen verändertes Ökosystem wird auch überlebensfähig sein. Die Frage ist, ob wir diese durch den Menschen bedingten Veränderungen akzeptieren wollen. Zurückzuführen sind sie – das sei an dieser Stelle eindringlich wiederholt – auf Aktivitäten des Menschen durch den Eintrag von klimaverändernden Substanzen in die Atmosphäre.

Angesichts des zu erwartenden Anstiegs des Meeresspiegels fehlt der Küstenbevölkerung jedes Verständnis dafür, dass Maßnahmen zur Bekämpfung der Freisetzung klimaverändernder Substanzen so zögerlich umgesetzt werden. Selbst wenn man sich heute auf eine Null-Immission der in Frage kommenden Gase einigen könnte, wären gewisse Veränderungen des Klimas gar nicht mehr zu verhindern. Während des von der SDN veranstalteten Kolloquiums im Forschungsinstitut TERRAMARE in Wilhelmshaven konnte erneut ein immer wieder auftretendes Phänomen beobachtet werden.

Es wird ein Umweltschaden festgestellt, und es fließen enorme Mengen von Geldern in die wissenschaftliche Bearbeitung dieses Schadens. Es werden Modelle und Prognosen entwickelt, und nach ungefähr einem Jahrzehnt glaubt man, genug darüber zu wissen. Auf der anderen Seite wird aufgrund ökonomischer Vorteile darum gefeilscht, wie lange denn Klimakiller noch freigesetzt werden dürfen. Offensichtlich machen sich die heute Verantwortlichen keine Gedanken darüber, wie hoch die Kosten sein werden, die in einem Jahrhundert für die Beseitigung der durch den Menschen bedingten Klimaveränderungen hervorgerufenen Zerstörungen der Umwelt sein werden.

Naturschutz im Abseits

Wege aus der Sackgasse.

Keine Kurzfassung vorhanden.

Ökologische Qualitätsziele für das Meer

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Kurzfassung:
Die Umsetzung von Maßnahmen zum Schutze nicht nur des Meeres würde sehr erleichtert, könnte man sie auf wenige ganz pragmatische Kriterien, idealerweise Zahlen, beziehen.
Es wäre so für jeden Administrator ohne weiteres der Zustand des jeweiligen Gewässers ablesbar und man wüsste jederzeit, ob der gewünschte Gewässerzustand schon erreicht ist oder was noch getan werden muss, um diesen zu erreichen. Folglich fordern Politiker von Wissenschaftlern die Definition solcher Kriterien. Von wissenschaftlicher Seite wird einem solchen Vorhaben mit beträchtlicher Skepsis entgegengetreten.
Die Komplexität von Wechselwirkungen in einem Ökosystem könne sich nicht auf wenige Zahlen reduzieren lassen. Zwischen diesen Extremen, nämlich der Ablehnung von Qualitätszielen wegen der Komplexität und der Forderung der Politiker, nun endlich solche festzulegen, damit pragmatisch gehandelt werden kann, bewegen sich die Bemühungen verschiedenster Arbeitsgruppen.Ergebnisse dieser Diskussion wurden während eines Kolloquiums, zu dem die Schutzgemeinschaft Deutsche Nordseeküste eingeladen hatte, dargestellt. Interessante Beobachtungen am Rande: Diejenigen Wissenschaftler, die in forschenden Institutionen tätig sind, waren besonders ablehnend, während solche, die in Behörden tätig sind, für die Formulierung von Qualitätszielen eintraten.
Es zeichnet sich aber ab, dass künftig mehrere Wege zur Erreichung eines optimalen Schutzes der Meere begangen werden müssen. Auf der einen Seite die strikte Anwendung des Vorsorgeprinzips bis in die Produktionsstätten hinein, auf der anderen Seite aber eine Verifizierung in der Umwelt, und dazu werden Werte gebraucht. An Wissenschaftler und Behörden ergeht daher der Appell, die heute schon vorhandenen Denkmodelle mit Nachdruck zu verbessern.

Probleme der Muschelfischerei

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Kurzfassung:
Die Schutzgemeinschaft Deutsche Nordseeküste e.V. veranstaltet in unregelmäßigen Abständen Kolloquien über aktuelle Probleme an der Küste. Am 21. Februar 1991 fand in Wilhelmshaven ein öffentliches Kolloquium über Probleme der Muschelfischerei im Wattenmeer statt. Ziel der Veranstaltung war, Vertreter aller Interessengruppen zusammenzubringen, um auf der Basis eines fundierten Gedankenaustausches die Diskussion der über diesen Sachverhalt zerstrittenen Parteien zu versachlichen. Seit Einführung der Nationalparke mit ihren Ruhe- oder Schutzzonen weisen Vertreter der Nationalparkämter, insbesondere Naturschutzverbände, darauf hin, dass eine fischereiliche Nutzung der Wattenflächen einen Eingriff in Naturvorgänge darstellt und damit den Schutzzielen der Nationalparke widerspricht. Die Fischerei hingegen verweist auf die traditionelle Nutzung und insbesondere darauf, dass durch ihre Vorgehensweise keine langfristigen und nachhaltigen Schädigungen im Ökosystem auftreten. In der jüngeren Vergangenheit hatten naturbeobachtende Laien auf zahlreiche, wie sie formulierten, dramatische Veränderungen insbesondere im niedersächsischen Wattenmeer aufmerksam und die Muschelfischerei für diese Veränderungen verantwortlich gemacht. Diesen Vorwurf wiesen Fischer und deren Interessenvertreter von sich. Die eintägige Veranstaltung war zweigeteilt. Am Vormittag wurden Kurzreferate gehalten, am Nachmittag folgte eine mehrstündige Podiumsdiskussion. Die Referenten wurden so ausgesucht, dass sichergestellt war, dass alle betroffenen Bereiche ausreichend zu Wort kommen konnten. Zu Beginn der Podiumsdiskussion wurde eine Reihe von Stellungnahmen abgegeben. Zunächst vom Sprecher der Muschelerzeugergemeinschaft Schleswig-Holsteins, der darauf hinwies, dass alle Forderungen der Naturschützer, wie die am Vormittag vorgestellten Ergebnisse wissenschaftlicher Untersuchungen belegten, unbegründet sind. Es gäbe keine Schädigungen durch die Fischerei, folglich sei die Forderung nach Verlagerung von Fischereiaktivitäten aus den Schutz- oder Ruhezonen nicht gerechtfertigt. Es folgten Erklärungen zweier Wattenführer, die aufgrund ihrer langjährigen Begehungen niedersächsischer Wattengebiete langfristige Veränderungen, insbesondere an Muschelbänken, festgestellt hatten, die sie der Fischerei anlasteten. In der anschließenden Diskussion wurde noch einmal auf die scheinbare Unvereinbarkeit der Forderungen der Naturschützer und der Fischerei hingewiesen. Für die Durchsetzung von Naturschutzforderungen ist es nicht nötig, Schädigungen durch die Fischerei wissenschaftlich zu belegen. Hier reicht die Tatsache, dass ein Eingriff durch die Fischerei erfolgt. Eine Einigung in diesem Konflikt wird nur durch eine Reihe von Kompromissen möglich sein. Es kann nicht das Ziel dieser Kompromisse sein, die Fischerei völlig aus den Wattengebieten zu vertreiben. Dieser Fischereizweig muss sich aber gefallen lassen, dass nach Einrichtung der Nationalparke seine Betätigungen in den Schutz- und Ruhezonen kritischer beurteilt werden als früher.

Referenzgebiete

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Keine Kurzfassung vorhanden.

Saubere Nordsee zum Leben

Was Sie über die Verschmutzung der Nordsee wissen sollten. Von Prof. Dr. Sebastian Gerlach, Mönkeberg, 1996.

Sicherheit im Seeverkehr

Mit neuen Konzepten in die Zukunft. SDN-Kolloquium 2000.
Keine Kurzfassung vorhanden.

Zukunft der Muschelfischerei

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Kurzfassung:
Die Fischerei in den Nationalparken Niedersächsisches und Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer steht schon lange im Zentrum der Kritik der Naturschützer. Dabei scheint insbesondere die Tatsache, dass ausschließlich ökonomische Gründe das Handeln der Fischer bestimmten, auf Unverständnis zu stoßen. Es wird häufig übersehen, dass eine ökonomisch nachhaltige Befischung der Bestände nur dann möglich ist, wenn diese Bestände langfristig bewirtschaftet werden.
Offensichtlich wird den Fischern misstraut, dass sie auch langfristige Aspekte berücksichtigen. In Holland ist das ganz anders; dort vertritt man den Standpunkt, dass die Fischer am besten wissen, wie ihre Bestände zu bewirtschaften sind. Man gibt hier also nur Ziele vor, die Fischerei kann in einem breiten Rahmen wirtschaften. Und die Ziele besagen, dass soviel Natur wie möglich zu behalten ist, das heißt auch mehr natürliche Muschelbänke. Es ist heute unstrittig, dass durch die Aktivitäten der Miesmuschelfischerei natürliche, trockenfallende Muschelbänke nicht mehr vorhanden sind.
Es ist auch unbestritten, dass die bisherige Praxis der Brutfischerei Mortalitäten von bis zu 80 Prozent erzeugte, dass durch die Entnahme von relativ kleinen Mengen von eulitoralen Muschelbänken diese mit der Zeit zerstört werden, und schliesslich weiß man, dass beispielsweise in Holland durch das Chartern von Herzmuschelfangschiffen mit nur sehr geringem Tiefgang auch flache Gewässerteile leergefischt wurden. Es war daher klar, dass eine Regelung gefunden werden musste, die den Rahmen für die Bewirtschaftung der Miesmuschelbestände im schleswig-holsteinischen Wattenmeer absteckt. Dieser Rahmen wurde nach zähen Verhandlungen zwischen Muschelfischern, Fischereibehörden und dem Nationalparkamt geschaffen. Er zielt auf 10 Jahre und verlangt insbesondere von den Muschelfischern beträchtliche Einschränkungen.
Die Muschelfischerei hat sich bereit erklärt, diese Einschränkungen hinzunehmen und darüber hinaus jährlich einen hohen Geldbetrag für die Überwachung der Miesmuschelbestände zu bezahlen. Durch begleitende wissenschaftliche Untersuchungen wird man künftig genauer wissen, ob die ergriffenen Massnahmen ausreichend sind oder nicht; und nach 10 Jahren wird man sich erneut darüber unterhalten müssen. Dieser Kompromiss zeigt, dass es möglich ist, Naturschutz und wirtschaftliche Interessen gegeneinander abzuwägen und zu einem Ausgleich zu kommen, der ein naturverträgliches Handeln möglich macht, ohne den betroffenen Wirtschaftszweig zu erdrosseln. Man kann nur hoffen, dass auch andere Konflikte, die heute scheinbar unlösbar vor uns stehen, künftig ebenfalls durch Einigungen beseitigt werden können.

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