Windparks verändern alle Strömungen

Forschungsergebnisse des Helmholtz-Zentrums Hereon haben erstmals die langfristige Gesamtwirkung der Vielzahl von Windparks auf Luft- und Meeresströmungen der Nordsee aufgezeigt

Deutsche Nordsee. „Schon früh haben wir vor diesem extremen Industrie-Ausbau in unserer Nordsee gewarnt,“ führt SDN-Vorsitzender Gerd-Christian Wagner aus und fügt hinzu, dass die SDN schon zu Beginn des Ausbaues, neben der Stationierung ausreichender Notschlepp-Kapazitäten nahe der Parks, auf die Auswirkungen auf Meeresökologie wie Strömungsverhältnisse hingewiesen hat. „Nun zeigt sich mit dieser ersten Studie zur Gesamtwirkung der riesigen Offshore-Windparks auf die Meeres- und Luftströmungen, wie berechtigt unsere Forderungen waren und noch sind!“

Die Rotoren entziehen dem Wind Energie und beeinflussen die Oberflächenströmungen mit bis zu 20 Prozent Verlangsamung in die Nordsee hinein. Die Turbinenpfeiler hingegen stellen unter Wasser Hindernisse dar, die die Gezeitenströmungen und – frequenzen verändern. Diese Wind- und Gezeiten-Wakes (Nachlaufeffekte) interagieren miteinander und bestimmen die komplexen, physikalischen Auswirkungen der Parks. Dadurch kann es zu großräumigen Veränderungen im Sedimenttransport und der Durchmischung des Meerwassers kommen.

Die Studie zeigt erste Hinweise darauf, wie sich strömungsbedingte Risiken für die Meeresumwelt zumindest begrenzen ließen. Nach den vorliegenden Modellsimulationen spielen vor allem der Abstand der Turbinen, die Standortwahl der Windparks sowie die lokalen Gezeitenbedingungen eine zentrale Rolle dafür, wie stark sich Strömungen, Temperaturverhältnisse und die Durchmischung des Wassers verändern.

„Diese Ergebnisse sind wenig überraschend“, erklärt der 2. SDN-Vorsitzende, Kapitän Ulrich Birstein. „Sie bestätigen vielmehr, dass großflächige Offshore-Windparks das empfindliche System der Nordsee deutlich beeinflussen. Wer die Energiewende auf See vorantreibt, muss auch die Folgen für Strömungen, Sedimenttransport und Ökosysteme ehrlich benennen.“ Zugleich warnt Birstein davor, die Auswirkungen einzelner Projekte nur isoliert zu betrachten. „Die Industrialisierung der Nordsee schreitet in vielen Bereichen gleichzeitig voran. Offshore-Windparks sind dabei nur ein Teil des Problems.“ Hinzu kämen unter anderem, neben einer steigenden Havarie-Gefahr, beispielsweise noch Unterwasserlärm, Müllbelastungen, Öl- und Gasförderung, Schlickverklappungen sowie der Ausbau von Rohrleitungen und Kabeltrassen durch die Nordsee und dem Wattenmeer.

„Jeder einzelne dieser Eingriffe belastet das Meer zusätzlich“, so Birstein. „In der Summe entsteht ein massiver Nutzungsdruck auf einen Lebens- und Naturraum, der ohnehin schon stark belastet ist. Wer die Nordsee schützen will, muss diese Entwicklungen endlich gesamthaft betrachten – und nicht nur einzelne Projekte genehmigen, ohne ihre Gesamtwirkung zu berücksichtigen.“

Mit freundlicher Bitte um Beachtung und Veröffentlichung,

SDN Schutzgemeinschaft Deutsche Nordseeküste e.V.

– Pressestelle –

Peter Andryszak

pressestelle@sdn-web.de

0441-3801848

0172-4363439

www.sdn-web.de

@Schutzgemeinschaft Deutsche Nordseeküste SDN

@ sdn.schutzgemeinschaft

PDF

Zusatz-Info 1:

Die Arbeit (https://www.nature.com/articles/s43247-026-03186-8) wurde Mitte Februar im Nature-Fachjour-nal Communications Earth & Environment vorgestellt.

Zusatz-Info 2:

Die Schutzgemeinschaft Deutsche Nordseeküste e.V. (SDN)

ist ein überregionaler und gemeinnütziger Umweltschutz-Dachverband, der 1973 aufgrund umfassender Verschmutzungen der Nordsee ins Leben gerufen wurde. Seitdem engagiert sich die Schutzgemeinschaft sachlich-fachlich und parteiübergreifend für den Schutz der Nordsee als Lebens-, Wirtschafts- und Naturraum. Sie dient rund 200 Kommunen, Landkreisen, Naturschutzvereinen, Instituten, Verbänden und Einzelmitgliedern als Sprachrohr in die Öffentlichkeit sowie die Ministerialverwaltungen und Parlamente des Bundes und der vier Nordsee-Küsten-Länder. Gemeinsames Ziel: die Eigenarten und Schönheiten der Nordsee, des Wattenmeeres und der angrenzenden Küste vor schädigenden Eingriffen durch den Menschen zu schützen und Probleme des Nordseeschutzes einer Lösung zuzuführen.

Einige Maßnahmen der letzten Jahrzehnte, bei denen die SDN als Lobbyverband die Belange der Küste vertreten hat und die inzwischen als weitgehend abgearbeitet gelten dürften, sind die Dünnsäure-, Abfall-, und Klärschlammverklappung, das Notschleppkonzept, Antifouling, Luftüberwachung, Ballastwasser, Tankreinigung, MARPOL I bis IV sowie die Anschaffung moderner Notschlepper für Nord- und Ostsee, wie aktuell auch der Unterelbe.

Nordsee statt Ausstieg aus der CO₂-Produktion

Die Schutzgemeinschaft Deutsche Nordseeküste e.V. (SDN) sieht die Speicherung von CO₂ im Nordseegrund weiterhin kritisch

Deutsche Nordseeküste. Der Deutsche Bundestag hat am vergangenen Donnerstag, den 29. Januar 2026, den Weg für die großflächige Speicherung von Kohlendioxid unter dem Meeresboden der Nordsee frei gemacht. Mit der Änderung des Kohlenstoffspeichergesetzes (KSpG) ist die dauerhafte Speicherung von CO₂ in der deutschen ausschließlichen Wirtschaftszone (AWZ) und dem Festlandsockel nun unter Auflagen erlaubt.

Ferner wurde mit der Änderung am Hohe-See-Einbringungsgesetz der Export von Kohlendioxid zur Speicherung in anderen Ländernmöglich gemacht.

Mit diesem „Greenwashing“ soll vor allem der Zement- und Kalkindustrie und der Stromerzeugung aus Gaskraftwerken, wo eine CO2- Reduzierung kaum möglich ist, geholfen werden.

Zu den geplanten Gesetzesänderungen hat die Schutzgemeinschaft Deutsche Nordseeküste (SDN) umfangreich Stellung genommen. Zumindest in einigen Bereichen ist der Gesetzgeber den Einwendungen gefolgt. So sieht das novellierte Kohlenstoffspeicherungs- und Transportgesetz (KSpTG) das Vorsorge- und Verursacherprinzip vor. Was bedeutet, dass potenzielle Risiken im Voraus bewertet und vermieden werden müssen und die Betreiber im Schadensfall verantwortlich sind. Ferner soll es keine Speicherung von CO₂ in ausgewiesenen Meeresschutzgebieten der AWZ und im Festlandsockel geben, um sensible Ökosysteme zu schützen. Für die Lagerstätten selbst sind detaillierte hydrogeologische Charakterisierungen notwendig, um Risiken von Leckagen zu bewerten. Auch die Überwachung der Injektion und des langfristigen Verhaltens des CO₂ im Untergrund wurde gesetzlich vorgeschrieben.

Trotzdem sieht die SDN die Speicherung von CO₂ im Nordseegrund weiterhin kritisch, da keinerlei Erfahrungen in einem Echtzeitversuch gesammelt wurden. Die bisherigen Erkenntnisse beruhen lediglich auf Annahmen.

Deshalb war und bleibt eine Hauptforderung der SDN erst durch Anlage eines Versuchsfeldes über 10 Jahre mögliche Folgen von CO₂ im Untergrund der Nordsee besser abschätzen zu können und erst dann industriell in eine Speicherung einzusteigen. Gerade bei der CO₂-Speicherung auf See gibt es derzeit noch viele unbekannte Risiken, die leider wieder im laufenden Betrieb abgearbeitet werden sollen.

Ferner bezweifelt die SDN stark, dass der Deutsche Bundestag vor Verabschiedung der Gesetzesnovellierungen die CO₂-Speicherung umweltbilanziert hat. Auch dies wäre in einem 10-Jahres-Versuch möglich, um verlässliche Daten zu bekommen.

Der 2. SDN-Vorsitzende, Kapitän Birstein, fügt hinzu: „CCS wird als Ewigkeitstechnologie propagiert, obwohl sie aufgrund ihrer schlechten Energie- und Umweltbilanz nur dann einen Nutzen hätte, wenn sie über Generationen hinweg sicher funktioniert. Statt diese Langzeitwirkung vorher zu belegen, wird die Nordsee zum Versuchsfeld für ein nicht seriös abschätzbares Risiko, das im Schadensfall nicht mehr rückholbar ist.“

Mit freundlicher Bitte um Beachtung und Veröffentlichung,

SDN Schutzgemeinschaft Deutsche Nordseeküste e.V.

– Pressestelle –

Peter Andryszak

pressestelle@sdn-web.de

0441-3801848

0172-4363439

PDF

www.sdn-web.de

www.facebook.com/

www.instagram.com/sdn.schutzgemeinschaft

Zusatz-Info:

Die Schutzgemeinschaft Deutsche Nordseeküste e.V. (SDN)

ist ein überregionaler und gemeinnütziger Umweltschutz-Dachverband, der 1973 aufgrund umfassender Verschmutzungen der Nordsee ins Leben gerufen wurde. Seitdem engagiert sich die Schutzgemeinschaft sachlich-fachlich und partei-übergreifend für den Schutz der Nordsee als Lebens-, Wirtschafts- und Naturraum. Sie dient rund 200 Kommunen, Landkreisen, Naturschutzvereinen, Instituten, Verbänden und Einzelmitgliedern als Sprachrohr in die Öffentlichkeit sowie die Ministerialverwaltungen und Parlamente des Bundes und der vier Nordsee-Küsten-Länder. Gemeinsames Ziel: die Eigenarten und Schönheiten der Nordsee, des Wattenmeeres und der angrenzenden Küste vor schädigenden Eingriffen durch den Menschen zu schützen und Probleme des Nordseeschutzes einer Lösung zuzuführen.

Einige Maßnahmen der letzten Jahrzehnte, bei denen die SDN als Lobbyverband die Belange der Küste vertreten hat und die inzwischen als weitgehend abgearbeitet gelten dürften, sind die Dünnsäure-, Abfall-, und Klärschlammverklappung, das Notschleppkonzept, Antifouling, Luftüberwachung, Ballastwasser, Tankreinigung, MARPOL I bis IV sowie die Anschaffung moderner Notschlepper für Nord- und Ostsee, wie aktuell auch der Unterelbe.