Krabbenfischerei an der Nordseeküste: Naturschutz braucht Augenmaß statt pauschaler
Deutsche Nordsee, 20.07.2026
Die Schutzgemeinschaft Deutsche Nordseeküste e. V. (SDN) warnt eindringlich vor dem Ende der traditionellen Krabbenfischerei an der deutschen Nordseeküste. Die derzeitigen Versuche seitens der Landesregierung in Niedersachsen verdeutlicht den zunehmenden Druck auf eine Fischerei, die seit Generationen fester Bestandteil der Wirtschafts- und Kulturlandschaft an der Nordseeküste ist.
„Während in Schleswig- Holstein der Dialog mit den Krabbenfischern bereits gescheitert ist, verkauft man in Niedersachsen den „Ausverkauf“ der traditionellen Krabbenfischerei als niedersächsischen Weg und führt mit einem seitens des Umwelt- und Landwirtschaftsministeriums ausgesuchten Teilnehmerkreis Gesprächsrunden“ so Ulli Birstein, stellvertretender Vorsitzender der SDN.
Auf den zwei Veranstaltungen in Greetsiel und Wremen wurde aber eins deutlich, seitens der involvierten Ministerien und der Nationalparkverwaltung steht das Ergebnis bereits fest.
Anders ist für die SDN nicht zu erklären, warum bereits eine Karte mit den vorgesehenen Verbotszonen zwei Wochen vor dem dritten und finalen Dialog in Hannover veröffentlicht wird und betroffene Gebietskörperschaften, wie z.B. der Landkreis Cuxhaven nicht zugelassen werden.
„Ein Schelm wer böses dabei denkt, dass ausgerechnet die größte Verbotszone an der Wurster Nordseeküste eingerichtet werden soll, während im ostfriesischen Wattenmeer kaum Zonen in der bereits veröffentlichten Karte zu finden sind“ führt Birstein weiter aus.
Nach Auffassung der SDN darf der Schutz des Wattenmeeres nicht auf einseitige Schuldzuweisungen gegenüber der Küstenfischerei reduziert werden ohne dabei andere großflächige Nutzungen der Nordsee – etwa durch Offshore-Windenergie, Kabeltrassen oder die Schifffahrt mit einzubeziehen. Zumal wissenschaftliche Untersuchungen des Thünen-Instituts zeigen, dass die Auswirkungen der Krabbenfischerei im Vergleich zu den anderen industriellen Nutzungen kaum Auswirkungen auf die Nordsee haben. Die SDN kritisiert deshalb, dass europäische Naturschutzvorgaben in der öffentlichen Diskussion häufig so dargestellt werden, als würden sie zwingend pauschale Nutzungsverbote der Fischerei verlangen. Tatsächlich fordern die einschlägigen Regelwerke eine sorgfältige Einzelfallprüfung und eine ausgewogene Abwägung zwischen Naturschutz, traditioneller Nutzung und regionaler Entwicklung.
Schutzgebiete und nachhaltige Krabbenfischerei schließen sich daher nicht grundsätzlich aus. Dies wird im Übrigen auf Nachfrage aus Brüssel auch so bestätigt.
Der derzeitige geführte Dialog zeigt sich als Symbol einer verfehlten Naturschutzpolitik der Länder Niedersachsen und Schleswig- Holstein.
